Was passiert nach dem Untergang von ISIS? Hier steht das, was Ihnen sonst nicht gesagt wird

Amerikas Feldzug, um ISIS in Irak und Syrien zu bezwingen, nähert sich langsam dem Ende. ISIS wurde aus seinen wichtigsten irakischen Hochburgen vertrieben, während manchen Schätzungen zufolge in der Stadt Mossul noch 300 Kämpfer verblieben sind. Berichten zufolge sind sie innerhalb eines 500 Quadratmeter großen Gebietes versteckt. In Syrien wird letztendlich bald dasselbe über ar-Raqqa erzählt werden, welches de facto die Hauptstadt von ISIS in Syrien ist.

Obwohl manche Leute diese Entwicklungen mit Begeisterung aufnehmen, wird wenig beachtet, was auf die Niederlage von ISIS in Irak und Syrien folgt. Tatsächlich hat die Washington Post gerade die Frage gestellt: „ISIS wird Mossul und ar-Raqqa verlieren. Was passiert dann?“ – was nach einem Schritt in die richtige Richtung aussieht.

Bevor wir uns jedoch überhaupt über dieses Thema Gedanken machen können, lohnt es sich einmal, die Auswirkungen dieses von Amerika angeführten Feldzuges in Irak und Syrien auf genau die Leute zu analysieren, die das amerikanische Militär vermutlich befreien wird. In ar-Raqqa, einem Ort, den die Vereinigten Staaten zunächst einmal überhaupt nicht zu bombardieren berechtigt sind, werden zahllose Zivilisten in Stücke gerissen und in den Straßen verrotten gelassen.

Ein Syrer namens Abu Ahmad (jawohl, sie haben Namen), sagte gegenüber Reuters, dass er am Morgen nach einer Nacht schwerer Luftangriffe mehrere seiner Nachbarn tot auf der Straße liegen sah:

„Ich ging am nächsten morgen raus, nur um es mir anzusehen“, sagte er. „Ich schwöre bei Gott, dass Katzen die Leichen gefressen hatten.“

Es ist wichtig, die Realität des Konflikts auf dem Boden festzuhalten, weil dieser verheerende Horror unweigerlich das maßgeblich prägen wird, was danach kommt. Man löscht Terrorismus nicht aus, indem man tausende von Zivilisten ermordet; tatsächlich verschlimmert man ihn dadurch umso mehr. Man verewigt ihn dadurch. Man liefert Terrorismus eine Daseinsberechtigung und zahllose grimmig dreinblickende frische Rekruten.

Wir wollen nicht vergessen, dass ISIS weitgehend deswegen existiert, weil die USA einmarschiert sind und Saddam Hussein gestürzt haben, einen Mann, der sich dieser Art von islamistischen Bewegungen entgegenstellte. Das Machtvakuum, das nach seiner Entfernung entstand, ebnete den Weg dafür, dass Al-Qaida in dem Land Fuß fassen konnte, was wiederum Al-Qaida in Irak (AQI) den Weg ebnete, welche sich in ISIS verwandelte. Ein weiterer entscheidender Fehler war die rücksichtslose Entscheidung Amerikas, ungefähr 400.000 Soldaten zu feuern, und zwar nur deswegen, weil sie Saddam Husseins Baath-Partei angehörten. Diese Soldaten hatten keine Jobs mehr, und viele von ihnen gingen dazu über, leitende Positionen innerhalb den Reihen von ISIS zu besetzen.

„Wie ein leitender US-Regierungsbeamter zur damaligen Zeit sagte, war es der Tag, an dem wir im Irak eine Viertelmillion Feinde erschufen“, sagte der investigative Journalist Jeremy Scahill gegenüber Democracy Now!als ISIS 2014 zum ersten Mal Schlagzeilen machte.

AQI und ISIS wurden als direkte Reaktion auf die US-Besetzung des Irak formiert. Also was ist diesmal die Reaktion der Koalition, um mit ISIS umzugehen?

Noch mehr Besetzung. Zum Beispiel hat selbst Kanada angekündigt, mindestens bis März 2019 im Irak zu bleiben. Generalleutnant Stephen Townsend hat ebenfalls dazu aufgerufen, dass US-Truppen lange Zeit weiterbleiben sollen, nachdem ISIS geschlagen wurde, ohne einen genauen Stichtag zu nennen.

Es wurde bereits berichtet, dass obwohl Gebiete des Irak von US-unterstützten Truppen befreit wurden, immer noch ISIS-Zellen existieren und in der Lage sind, Angriffe zu starten. Es spielt keine Rolle, wie lange die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten Irak besetzt halten – so lange sie zu tausenden Zivilisten unter die Erde bringen und fragwürdige Milizen auf dem Boden unterstützen, werden sich diese Art von Widerstandsbewegungen weiter ausdehnen. Ohne dass amerikanisch unterstützte Truppen ein spezifisches Territorium angreifen, werden sie nun noch schwerer zu besiegen sein.

Dadurch wird ein endloser Krieg perfekt. Leider ist ISIS noch unsere geringste Sorge, indem sich ein regionales Pulverfass zu entzünden droht. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat offen erklärt, dass die Türkei dazu bereit sei, in Nordsyrien einzumarschieren, um die kurdischen Kämpfer anzugreifen, die zurzeit durch die USA unterstützt werden.

Bei dieser bevorstehenden Schlacht stehen sich ein NATO-Verbündeter und das größte NATO-Mitglied gegenüber. Die Türkei hat sich bei den letzten regionalen Streitigkeiten zwischen den Golfstaaten offenbar auch auf die Seite von Katar geschlagen, was diese beiden widerspenstigen Staaten direkt in die offenen Arme des Iran treibt.

Iran ist ebenfalls stark in Irak und Syrien verwickelt und ist drauf und dran, als einer der größten Sieger aus diesen beiden aufs Engste miteinander verknüpften Schlachtfeldern hervorzugehen. Jedoch kann die US-Regierung dies nicht zulassen, da Iran ihr größter Widersacher in der Region ist.

Obwohl die Medien versucht haben, diese bevorstehende Schlacht als ein zufälliges Missgeschick darzustellen – eines, durch das die USA in einen größeren regionalen Krieg mit Syrien stolpern, an dem es sich nicht beteiligen wollte – ist es die Realität, dass diese Entwicklungen seit langer Zeit geplant wurden und dass diese Pläne bis zum heutigen Tag formuliert werden.

Als er vor der Washingtoner Denkfabrik Center for a New American Security sprach, bestätigte Donald Trumps nationaler Sicherheitsberater General H.R. McMaster diese Tatsache:

„Iran schürt diesen Teufelskreis eines sektiererischen Konflikts, um die arabische Welt dauerhaft zu schwächen“, sagte McMaster einem Bericht der Los Angeles Times zufolge. McMaster deutete an, dass sich die US-Politik in Bezug auf Syrien und Irak nach der Niederlage von ISIS darauf konzentrieren werde, Teheran zu isolieren und die Ausdehnung seines Einflusses zu verhindern.

McMaster ist der Kriegstreiber, der Anfang des Jahres Michael Flynn ersetzte und Steven Bannon vom National Security Council ausbootete, bevor er Donald Trump Vorschläge für Angriffe auf das syrische Militär im April dieses Jahres unterbreitete. Eine dieser Angriffsoptionen beinhaltete laut einer Untersuchung des mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichneten Journalisten Seymour Hersh einen uneingeschränkten Angriff auf die Paläste des syrischen Präsidenten, bis er getötet worden wäre.

Weiterhin wird, wie Anti-Media zuvor berichtete, das letzte Gefecht von ISIS in Syrien in einer ölreichen Region Syriens stattfinden und dazu führen, dass Russland, Iran und Syrien auf das US-Militär und die kurdischen Kämpfer auf dem Boden stoßen, indem beide Parteien um die Kontrolle des Gebietes kämpfen. Wenn man die türkische Drohung einer Intervention, Israels ununterbrochene Luftangriffe, die regimetreuen Truppen und die Infrastruktur unter Beschuss nehmen, sowie die Feindseligkeit Saudi-Arabiens gegenüber Iran und die gegenwärtige Katar-Krise berücksichtigt, braucht man kein Genie zu sein, um zu erkennen, dass dieser Konflikt das Potenzial dazu hat, komplett außer Kontrolle zu geraten.

Der Fall einer Gruppierung, die so eine Brutalität an den Tag legt wie ISIS, wäre unter normalen Umständen ein Grund zum Feiern, wenn es nicht um den Fahrplan ginge, dem wir gerade jetzt folgen. Es ist ganz klar, dass die USA und ihre Verbündeten keine Ideologie besiegen können, indem sie dieselbe Taktik anwenden, welche sie hervorgebracht hat. Weiterhin hat ein neuer Bericht ergeben, dass Saudi-Arabien eine „klare Verbindung“ zum Extremismus innerhalb des Vereinigten Königreichs unterhält, jedoch ist Saudi-Arabien weiterhin einer der wichtigsten Partner der US-geführten Koalition.

ISIS ist in Jemen, Libye, den Philippinen, Indonesien und Afghanistan präsent – um nur einige Länder zu benennen. Die Gruppierung ist dazu in der Lage, Angriffe in ganz Europa und sogar in der Islamischen Republik Iran anzustiften, einer mehrheitlich schiitischen Nation (ISIS stammt aus der sunnitischen Sektion des Islam). Ihr Kalifat in Irak und Syrien mag zwar in sich zusammenfallen, aber wir könnten miterleben, wie der Grundstein zu einem globalen Phänomen gelegt wird.

Diesbezüglich planen Elemente innerhalb der Trump-Regierung noch mehr Konfrontationen, um dem Iran und dessen Ambitionen in der Region entgegenzuwirken, was mit größter Wahrscheinlichkeit auch zu einer direkten kriegerischen Auseinandersetzung mit Russland führen wird.

Quelle: Was passiert nach dem Untergang von ISIS? Hier steht das, was Ihnen sonst nicht gesagt wird

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